First Step On Water

21.07.2015

"Ein zweijähriges Mädchen steht am Rand des Schwimmbeckens. 'Spring!', ruft ihr Vater und breitet die Arme aus. 'Hab keine Angst. Du kannst mir vertrauen. Ich fang dich auf. Komm, spring.'

Sie wird in diesem Moment von inneren Konflikten hin- und hergerissen. Einerseits schreit alles in ihr danach, dort zu bleiben, wo sie ist. Das Wasser ist tief, kalt und gefährlich. Sie hat so etwas noch nie gemacht. Schwimmen kann sie nicht. Was ist, wenn etwas schief geht? Es könnte ja alles Mögliche passieren.

Andererseits ist der Mann im Wasser ihr Vater. Er ist größer und stärker als sie und hat sich in den letzten zwei Jahren als einigermaßen vertrauenswürdig erwiesen. Er scheint auch recht zuversichtlich, was den Verlauf der Dinge angeht. In ihr findet ein Kampf zwischen Angst und Vertrauen statt.

Sie kann nicht ewig am Rand stehen bleiben. Der Moment der Entscheidung naht. Sie ist mehr als ihre Ängste oder ihr Vertrauen. In ihr steckt ein Funke Willenskraft und mit diesem bestimmt sie ihr Schicksal. Sie wird springen oder zurücktreten.

Welchen Weg sie wählt, wird entscheidende Konsequenzen haben. Wenn sie springt, wird ihr Zutrauen in die Fähigkeit ihres Vaters, sie aufzufangen wachsen. Das nächste Mal  wird ihr der Sprung deshalb schon viel leichter fallen. Das Wasser wird ihr nicht mehr so viel Angst einflößen und schließlich wird sie sich selbst als eine Person sehen, die sich nicht von ihrer Angst daran hindern läßt, etwas zu tun.

Wenn sie sich aber dazu entschließt, nicht zu springen, wird auch das Konsequenzen haben. Sie verpasst eine Gelegenheit zu entdecken, dass man ihrem Vater vertrauen kann. Sie wird auch das nächste Mal eher auf Sicherheit bauen. Sie wird den Eindruck gewinnen, dass sie selbst nicht sehr mutig ist und in Zukunft versuchen, Situationen zu vermeiden, in denen sie mit ihrer Angst konfrontiert werden würde. (...)

 

Es ist eine Sache wenn ein wirklich risikofreudiger Mensch den Sprung wagt. Doch für jemanden, der kein abenteuerlustiger Typ ist und mit Sorgen und Zweifel zu kämpfen hat, aber trotzdem auf sein Herz gehorcht - zitternd und zagend, aber vertrauensvoll -, ist das wirklich Mut. Und jeder von uns kann das tun. Sicher verwandeln wir uns nicht von heute auf morgen in Bungee springende, Paraglidende, Fallschirm springende Tausendsassas, aber jeder Mensch ist immer wieder mit Situationen konfrontiert, in denen er zwischen Angst und Vertrauen wählen muss.

 

Angst und Vertrauen kämpfen schon seit Urzeiten um ihr Herz. Irgendwann wid das Eine oder das Andere gewinnen. Halte dir dein Leben vor Augen. Worin könntest du berufen sein, voller Vertrauen Seine Hand zu ergreifen. 

 

Was hält dich im Boot?"

(aus dem Buch: Das Abenteuer, nach dem du dich sehnst; Wer auf dem Wasser gehen will, muss aus dem Boot steigen; 2014; John Ortberg; Gerth Medien GmbH, München)

 

 

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